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Ausgabe Nr. 10

«Alle Wünsche wurden erfüllt.»

Ehrung für Bruder Karl Bauer in Appenzell

Die Leserschaft der Appenzeller Zeitung wählte bereits zum sechsten Mal den Appenzeller des Jahres. Die Auszeichnung für 2009 ging an Bruder Karl Bauer, der sich für zwei Aufgaben besonders engagiert hat: das Unterrichten am Gymnasium Appenzell und die Leitung von Kirchen- und Gospelchören.

Bruder Karl ist ein grossgewachsener, lebhafter Mann mit einem sympathischen Lachen. Dass ausgerechnet er mit dieser Auszeichnung geehrt wurde, ist ihm ein Rätsel. «Ich bin ja nicht mal Appenzeller, sondern ein Fürstenländer», sagt er. Nach Appenzell hat es ihn aber schon früh verschlagen: von 1950 bis 53 besuchte er am Gymnasium die Realschule. Er wollte unbedingt Lehrer werden. Doch die Aufnahmeprüfung habe er komplett verhauen. Widerwillig begann er eine KV-Lehre in Zuzwil und arbeitete rund zehn Jahre im Beruf. «Doch ein Misserfolg reihte sich an den anderen.» Die Arbeitsstellen sagten ihm nicht zu, Vorstellungsgespräche liefen schlecht und mit der Freundin wollte es auch nicht so richtig klappen. «Irgendwie lief alles schief», sagt Bruder Karl.

Entscheid fürs Kloster
Eigentlich waren das nicht die besten Voraussetzungen, um einer Ordensgemeinschaft beizutreten. Er war mittlerweile 33 Jahre alt und wollte nicht als Junggeselle allein durchs Leben gehen. «Es war kein Fluchtgedanke, der mich ins Kloster führte. Ich spürte eine innere Bestimmung und der Ruf der Nachfolge hat mich stark getroffen. » Dass es dann der Kapuzinerorden sein sollte, hatte mehrere Gründe. Einerseits schätzte er die Kapuziner von seiner Schulzeit her. Andererseits schien ihm dieser Orden weit weniger einengend und traditionell als andere. Der Einstieg ins Klosterleben fiel ihm zwar schwer, doch rückblickend habe er in diesem Leben «mehr als Erfüllung gefunden».

Schule und Musik
In Erfüllung ging auch sein grosser Wunsch, Lehrer zu werden. Nach dem Studium in Freiburg und einer ersten Lehreranstellung in Näfels kam er 1983 nach Appenzell zurück. Fortan unterrichtete er Geografie und Deutsch am Gymnasium. «Es war die schönste Zeit meines Lebens», erinnert er sich. Doch sein Leben bestand nicht nur aus Schulunterricht und der Gemeinschaft im Kloster. Die Musik spielte seit seiner Kindheit eine wichtige Rolle. Mit neun Jahren nahm er Klavierunterricht, bis er als Jugendlicher das Orgelspiel entdeckte. «Das war für mich eine Offenbarung.» Während die anderen Jungs draussen Fussball spielten, sass er stundenlang an der Orgel. Später nahm er Kurse im Dirigieren und leitete die Kirchenchöre Engelburg und Oberbüren.

Gospel heimisch gemacht
1996 hörte er in Appenzell erstmals ein Gospelkonzert. «Ich war richtig erschlagen von den Melodien und dem Rhythmus», erzählt Bruder Karl. Er beschloss, diese Musik auch seinen Kirchenchören schmackhaft zu machen. Die Gospelchöre Oberbüren und Appenzell, die er heute nebst dem Kirchenchor Gonten leitet, waren schliesslich dafür verantwortlich, dass für die öffentliche Auszeichnung von Bruder Karl eine grosse Feier organisiert wurde. Er wurde nicht nur mit einem speziellen Gospel geehrt, sondern auch mit Kuchen und lobenden Worten verwöhnt. Und bescheiden, wie er ist, fügt er hinzu: «Ich habe nichts Aussergewöhnliches geleistet, ich war einfach da, wenn es mich brauchte.»

Claudia Koch

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Bruder Karl spielt überall dort Orgel, wo er gebraucht wird.

Bild: Claudia Koch
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