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Aktuelle Ausgabe Nr. 9

Anesitze, mir chönd ässe

Mama, Papa und der liebe Gott

Für mich sind die täglichen Mahlzeiten etwas sehr Wertvolles. Ich geniesse es, mit anderen Menschen zusammenzusitzen und zu essen. Dabei kann ich einerseits ein feines Essen geniessen, andererseits sind die Tischgespräche oft anregend und unterhaltsam. Mit Kindern am Tisch ist die Situation manchmal eine Herausforderung. So kann es zu Unruhe führen, wenn alle gleichzeitig etwas zu berichten haben, wenn die Kinder noch mit Vorkommnissen aus der Schule beschäftigt sind oder wenn nicht ihr Lieblingsmahl auf dem Menüplan steht. Dann versuchen wir als Familie immer wieder, die positiven Aspekte des gemeinsamen Essens aufzuzeigen und zu verstärken: Mit einem bewussten gemeinsamen Beginn legt sich die Hektik. Wir wünschen einander einen guten Appetit und reichen uns dazu die Hände. Wenn der Tisch sorgfältig gedeckt und das Essen schön angerichtet ist, fällt es einfacher, sich an die vorgegebenen Tischmanieren zu halten. Sind wir Erwachsenen oder die Kinder aufgewühlt, hilft es, wenn wir die ersten Minuten schweigend verbringen. So können alle zur Ruhe kommen und sich überlegen, was sie danach gerne erzählen möchten.

Seit wir Kinder haben suche ich nach Möglichkeiten, um gemeinsam vor dem Essen zu beten. Hilfreich dabei ist der Gebetswürfel. Auf jeder seiner Seiten steht ein anderes Tischgebet oder Lied. Wir haben einen solchen Würfel mit den Kindern gemeinsam gestaltet. Sie dürfen abwechselnd würfeln und das Gebet vorlesen (lassen), oder wir singen das Lied. Auch Gebetskarten oder -bücher geben neue Impulse. Stehen alle Angebote in einem Korb oder in einer schönen Schachtel auf dem Tisch, so denkt eher jemand daran, ein Gebet auszuwählen. Je nach Mahlzeit ist es sinnvoll, zuerst zu beten und erst danach zu schöpfen, damit das Essen warm bleibt und die Kinder sich besser auf das Gebet konzentrieren können.

Mit dem Gebet heissen wir auch Gott in unserer Mitte willkommen. So wird uns bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir täglich ausreichend zu essen haben. Mit dem Dank an Gott verbindet sich häufig ein solcher an den Koch, die Auftischenden und die Einkäuferin, was von diesen sehr geschätzt wird. Ich wünsche allen Familien, dass sie neben den turbulenten Mahlzeiten, die sich wohl kaum ganz vermeiden lassen, viele angenehme und erfreuliche erleben dürfen.

Monika Leutenegger

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Serie «Mama, Papa und der liebe Gott»

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Bild: Claudia Koch
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