Vier antike Kulturen im Vergleich

Jasmin van den Hout hat sich in ihrer Maturarbeit mit den Jenseitsvorstellungen und Bestattungsriten antiker Kulturen befasst. Dafür wurde sie von der Kantons­schule Schaffhausen und der Theo­logischen Fakultät der Universität Basel ausgezeichnet. 

Am 24. Oktober haben Sie von der Uni Basel einen Preis erhalten für Ihre Arbeit mit dem Titel «Jenseitsvorstellungen und Todesriten antiker Kulturen im Vergleich». Wie hat sich das angefühlt für Sie? 
Es war sehr speziell, denn es ist nun fast ein Jahr her, seit ich meine Maturarbeit abgegeben habe. Noch einmal sehr liebe Worte zu hören über meine Arbeit, war sehr schön, zumal meine Eltern und meine beiden besten Kolleginnen dabei waren, die mich alle sehr unterstützt haben. 

Hatten Sie sich Chancen ausgerechnet, nachdem Ihr Betreuer, Alexander Wanner, Sie zum Mitmachen aufgefordert hatte? 
Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass ich gewinne. Ich wusste nicht, welche Kriterien angewendet werden und wie viele Arbeiten eingereicht wurden. Ich hatte die Sache schon abgeschrieben, als ein Brief kam mit der Begründung, weshalb gerade ich ausgezeichnet werde. Ich war sehr über­rascht. Es ist schon nochmals etwas anderes, wenn die Maturarbeit von einem Uniprofessor angeschaut und prämiert wird. 

Wie sind Sie auf das Thema gekommen? 
Ich habe an der Kanti das Ergänzungsfach Geschichte der Antike gewählt. In einer Lektion haben wir die Jenseitsvorstellungen einiger antiker Kulturen angeschaut. Das Thema fand ich so spannend, dass ich mich mit einer meiner besten Kolleginnen darüber ausgetauscht habe. Zwar hatte ich noch andere Themen ins Auge gefasst, aber am Ende blieb ich an den Jenseits­vorstellungen hängen. 

Welche Kulturen haben Sie untersucht?
Ich habe mich mit den Wikingern, den Kelten, den Römern und den Frühchristen auseinandergesetzt. Dies deshalb, weil sie sich zeitlich und geografisch überlagern. 

Welche Unterschiede konnten Sie feststellen?
Das Christentum gibt es seit der Antike. Es ist die grösste Weltreligion und mono­theistisch. Die Wikinger, Kelten und Römer hatten mehrere Gottheiten. Was den Toten­kult betrifft, haben sie einer dafür bestimmten Gottheit Opfer­gaben dargebracht. Bezüglich der Jenseits­vorstellungen gibt es Ähnlichkeiten: Bei den Kelten ist es die Anders­welt. Es ist eine Parallel­welt zu unserer Welt, verbunden mit der mystischen Welt, an die die Kelten glaubten. Bei den Römern ist es das Elysium, bei den Wikingern Walhalla, im Christentum der Himmel. Den Römern, Wikingern und Christen ist zudem folgende Vorstellung gemein: Wenn man im moralischen Sinne gut lebt, kommt man an einen besseren Ort, als wenn man nicht so gut lebt. Es ist eine Art Anleitung für das Leben in der Gemeinschaft. Und auch eine Art ausgleichender Gerechtigkeit: Wenn man es eher schwierig hatte im Leben, dann hat man es dafür besser im Jenseits. 

Wie unterscheiden sich die Bestattungen?
Die Kelten haben ihre gesellschaftlich Hochgestellten in Hügelgräbern beigesetzt, während die Normalsterblichen meistens in Holzsärgen erdbestattet wurden. Bei den Wikingern gab es sowohl die sogenannte Brandbestattung wie auch Ganz­körperbestattung. Die Wikinger waren keine homogene Gruppe, denn damit wurden Seefahrer aus dem Norden bezeichnet. Die Höchsten dieser Seefahrer wurden in einem Schiff beerdigt, wobei das Schiff als Grabkammer diente oder auf See verbrannt wurde. Die Römer bestatteten ihre vornehmen Leute in einem Mausoleum, während das gewöhnliche Volk ein normales Grab erhielt. Ganz wichtig war den Römern, dass es einen Grab­stein gab, auf dem der Name des Verstorbenen stand. Die frühen Christen wurden erdbestattet.

Gibt es etwas in Ihrer Arbeit, das Sie überrascht hat? 
Überrascht hat mich, dass es in der Bibel nicht viel zu finden gibt über Jenseits­vorstellungen, vor allem keine Hinweise auf eine eigentliche Hölle oder das Fegefeuer. Es wird lediglich gesagt, wenn man stirbt, ohne sich Gott anzuvertrauen, dann ist es ein Zustand in der Abwesenheit Gottes. Erst im Mittelalter wurde konkret von Hölle und Fegefeuer erzählt und so mit der Angst der Menschen gespielt. Denn die Angst ist ein stärkerer Antrieb als die Hoffnung.

Wissen Sie schon, wofür Sie das Preisgeld verwenden möchten?
Ganz bestimmt möchte ich meine zwei besten Freundinnen zum Essen ausführen, weil sie mich so sehr unterstützt haben. Den Rest möchte ich einfach einmal beiseitelegen, bis mir etwas Spezielles einfällt, das mir Freude bereitet.

Interview: Béatrice Eigenmann, forumKirche, 6.11.24

Jasmin van den Hout
Quelle: Béatrice Eigenmann
Hat für ihre Maturarbeit sehr viele Bücher gelesen: Jasmin van den Hout

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