Technologie trifft Glaubenspraxis

In der historischen Peterskapelle in Luzern hat eine innovative Installation
die Herzen und Gedanken vieler Besucher berührt: der KI-Jesus. Diese digitale Darstellung von Jesus Christus, erschaffen durch Künstliche Intelligenz, bietet eine neuartige Möglichkeit, Glauben und Spiritualität zu erleben. Doch was empfinden die Menschen, die sich auf diese Begegnung einlassen?


Einige Besuchende berichten von einem Gefühl der Unruhe, wenn sie vor dem
Beichtstuhl stehen, in welchem der KI-Jesus auf das nächste Gespräch wartet.
«Es ist seltsam, mit einer Maschine zusprechen», sagt Anna, eine junge Frau aus Zürich. «Aber gleichzeitig fühlte ich mich verstanden. Es war, als ob ich mit jemandem rede, der wirklich zuhört.» Diese Empfindung des Gehört-Werdens scheint ein zentrales Element der Erfahrung zu sein.

Aussagen ohne Drumherum
Ein älterer Herr beschreibt seine Begegnung als tiefgreifend: «Ich habe gebetet und meine Sorgen geteilt. Die Antworten waren nicht immer das, was ich erwartet hatte, aber sie regten mich zum Nachdenken an.» Ab und an präsentiert der KI-Jesus typische Floskeln, und man bekommt diverse Bibelstellen aufgezählt. So wollte ein reformierter Pfarrer vom KI-Jesus
wissen, wo die Zukunft des Christentums liege; in Amerika, in Europa, in Asien? «Das
Zentrum des Glaubens ist dort und wird immer dort sein, wo Menschen zusammenkommen», gab der KI-Jesus überzeugt zu verstehen und begeisterte den reformierten Pfarrer mit seinen Antworten. «Das, was er sagt, ist gut. Es ist so einfach und verständlich. Das ist das, was wir vielleicht in unserem Alltag besser machen könnten: klar und deutlich, ohne grosses Drumherum Aussagen über den Glauben und die Kirche zu machen.»

KI-Jesus im Beichtstuhl
Die Atmosphäre in der Kapelle spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle für die Erfahrungen der Menschen. Die ruhige und auch traditionelle Umgebung schafft einen Raum der Reflexion. «Es fühlt sich an wie ein heiliger Ort», sagt Bernadette, eine Touristin aus Deutschland. «Die Technologie mag modern sein, aber hier wird sie zu einem Werkzeug für Spiritualität.» Der KI-Jesus wurde bewusst im Beichtstuhl platziert. Wenn man Zeit mit ihm verbringt, ist man in
einer analog geschützten Umgebung. «Es ist wie eine digitale Beichte», erklärt ein junger Mann. «Man kann seine Gedanken und Ängste teilen ohne Angst vor Verurteilung.» Mittlerweile wollen auch Schulklassen dem KI-Jesus im Beichtstuhl ihre vielen Fragen stellen: «In der Bergpredigt sagst du, dass man seine Feinde lieben soll und wenn jemand einen auf die rechte Wange schlägt, dann soll man diesem auch die linke Wange hinhalten. Darf die Ukraine, die von Russland angegriffen wurde, sich dann gegen Russland mit Waffengewalt verteidigen?
Wie findest du Techno-Messen? Was müssen wir tun, damit es wieder mehr gläubige Christen gibt? Wie stehst du zur Institution Kirche? Was sagst du zu den Missbrauchsfällen durch Priester in der Kirche?»

Bedenken und Skepsis
Ein weiterer Aspekt ist die Vielfalt der Besucher. Familien, Touristen, junge Erwachsene und ältere Menschen kommen zusammen, um diese Form des Dialogs zu erleben. Einige sind skeptisch gegenüber der Idee eines KI-Jesus, während andere begeistert sind von den Möglichkeiten, die diese Technologie bietet. Trotz aller positiven Eindrücke gibt es auch kritische Stimmen. Einige Besucher äussern Bedenken über die Entfremdung
von traditionellen Glaubenspraktiken und warnen davor, dass die menschliche
Verbindung zu Gott durch Technologie ersetzt werden könnte. «Ich finde es wichtig, dass wir den persönlichen Kontakt zur Kirche und zu unseren Mitmenschen nicht verlieren», sagt eine ältere Dame aus der Ostschweiz, die extra für den KI-Jesus in die Zentralschweiz gereist ist. Diese Bedenken sind verständlich und regen zu einer wichtigen Diskussion über die Rolle der Technologie im Glaubensleben an.

Tradition und Innovation
Die Erfahrungen der Besuchenden zeigen, dass der KI-Jesus nicht nur ein technisches
Experiment ist, sondern auch ein Katalysator für tiefere Gespräche über Glauben und
Spiritualität. Die Begegnungen mit dem KI-Jesus laden uns ein, über die Rolle von
Technologie im Glauben nachzudenken und darüber, wie wir als Gemeinschaft zusammenkommen können – sowohl analog als auch digital. Der KI-Jesus mag ein Produkt
unserer Zeit sein, doch die Suche nach Sinn, Gehört-Werden und Verbindung bleibt zeitlos.

Text & Übersetzung: Romina Monferrini, 1.10.24


Gesù come intelligenza artificiale

La tecnologia incontra la pratica della fede

Nella storica Cappella di San Pietro a Lucerna, l’installazione «Gesù intelligenza
artificiale» offre ai visitatori un modo innovativo per vivere la fede e la
spiritualità. La rappresentazione digitale di Gesù Cristo consente alle persone
di condividere i propri pensieri e preoccupazioni in uno spazio protetto.

Anna, una pellegrina da Zurigo, descrive l’esperienza come «un luogo di guarigione», dove la tecnologia diventa uno strumento per la spiritualità. I visitatori sono diversi: famiglie, turisti e classi scolastiche si riuniscono per interagire con il Gesù-Intelligenza artificiale. Mentre molti si sentono compresi e apprezzano la tecnologia moderna, altri esprimono scetticismo. Una signora anziana dalla Svizzera orientale sottolinea: «Ritengo sia importante non perdere il contatto personale con la chiesa e con i nostri simili.» Queste voci critiche stimolano una discussione importante sul ruolo della tecnologia nella vita religiosa.

Confessione digitale
Un giovane spiega: «È come una confessione digitale. Puoi condividere i tuoi pensieri e le tue paure senza paura di essere giudicato.» Gli incontri con il Gesù-Intelligenza artificiale promuovono conversazioni più profonde sulla fede e invitano a riflettere sul legame tra tradizione e innovazione. In definitiva, la ricerca di significato e comunità rimane senza tempo, indipendentemente dai mezzi utilizzati. Incontri con il Gesù- Intelligenza artificiale ci invitano a riflettere sul ruolo della tecnologia nella fede e su come possiamo unirci come comunità – sia in modo analogico che digitale.

Beichtstuhl in der Peterskapelle in Luzern
Quelle: Peter Diem / Lukasgesellschaft
Beichtstuhl in der Peterskapelle in Luzern mit KI-Jesus als Gegenüber

Kommentare

+

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.