Besuch auf dem Bio-Weingut der Familie Strasser
Der Thurgauer Fredi Strasser ist stolz auf sein wunderschön gelegenes Weingut Stammerberg. Seine biologisch gepflegten pilzresistenten Reben (PiWi) haben den nassen Sommer überstanden. Im Einklang mit der Natur Reben zu kultivieren, aus Rücksicht auf die Schöpfung, liegt dem Weinbauern am Herzen. Wie auch seinem Sohn Andri, der künftig den Betrieb weiterführen wird.
An einem sonnigen Septembertag zeigt mir Fredi Strasser den Hang mit schönen Leon Millot Trauben und gleich daneben konventionelle Reben eines Nachbarn, wo nichts mehr zu ernten ist. Als Biobauer hätte Strasser mit biologischen Mitteln spritzen können, doch seine Maréchal Foch Reben hätten trotz des unwirtlichen Wetters keine einzige Behandlung gebraucht! Schon als junger Bauer und ETH-Student habe er ein mulmiges Gefühl beim Gifteinsatz gehabt, obwohl dieser zugelassen, empfohlen und allseits praktiziert wurde. Der Totenkopf auf den Tanks liessen ihn zerstörerische Auswirkungen auf Böden, Luft und Lebewesen ahnen. Als er von Sorten erfuhr, die wenig oder keine Biozide bräuchten, waren Forschergeist und Schaffenskraft geweckt.
Trotz Widerständen – die PiWi-Sorten waren gar verboten – und Erfahrungen von Unverständnis, Unfall, Krankheit und finanziellen Engpässen, hat er zusammen mit seiner Frau Maria wichtige lebensfreundliche Spuren gelegt, denen viele folgen. Als landwirtschaftlicher Lehrer, Forscher, (Mit)Gründer vieler Initiativen im Biobereich und mit eigenem Weinbau hat er über 3'000 Menschen ausgebildet. Seine Vision ist, dass einmal alle mit Rücksicht auf die Schöpfung arbeiten, und davon leben können. Würde nämlich in konventionellen Produkten der verursachte Schaden mitgerechnet, wären diese unerschwinglich. Dass 40 % der Stimmen im Juni für eine pestizidfreie Landwirtschaft votierten, wertet er als unerwartet gutes Signal. Bei leicht verändertem Initiativtext wären es wohl noch mehr gewesen.
Einer seiner Weine heisst «Planet blue». Unser Planet sei einzigartig, aber eine Leihgabe. Sein Stück davon wolle er weitergeben, auch für die Tiere und Pflanzen, die dort ein Zuhause haben. Darum gehören zum Weingut auch Trockenmauern für Amphibien, die Wieselburg, vom Aussterben bedrohte Heckenrosen, Steinhaufen, Flächen mit Büschen, Wiesenblumen und Kräuter für Vögel und kleine Tiere, was alles auch den Reben zugutekommt. Eine wichtige Rolle spielen auch freundliche Mitarbeiter: Schafe und Tinkerponys, die Rebhänge weiden und manchen Arbeitsgang abnehmen. Der Mist dient als Dünger. Die Tiere haben viel Platz und Freiheit, woran sie sich sichtlich freuen. Seine Frau Maria habe es wunderbar gesagt: «Wir machen das so, damit das Land und das Leben besser blühen kann». Das Weingut zu pflegen, bedeutet sehr viel Arbeit. Keltern, Verkaufen der feinen Weine, immer wieder ausprobieren, was Wein und Lebensvielfalt fördert, Unterrichten, Forschen, Projekte initiieren, Verbündete finden sowie ein Buch schreiben («Pilzresistente Traubensorten», siehe Buchtipp Seite 14). Sicher ist die gegenwärtige Lebensraumzerstörung ein Antrieb. Noch grösser ist seine Faszination für Lebenszusammenhänge, die Liebe zum Leben, Freude an Tieren und Pflanzen, am Blühen und Gedeihen, am naturreinen Wein und die grosse Dankbarkeit, an der Lebensvielfalt mitzuwirken, was ihn tief erfüllt.
Zukunft des WeingutsBald wird Fredi Strasser, im Hinblick auf die Pension, sein Weingut in die Hände der nächsten Generation legen. Sohn Andri führt das Weingut klimaschonend und biologisch-dynamisch weiter. Die Kelterei übernimmt das Weingut Lenz, ebenfalls Pionier im Bioweinbau. Unter der Marke «Naturtalent», auf den Namen kam Fredi Strasser, wird auch Wein vom Stammerberg vertrieben, und sein «Nussbaumer» steht weiter im Coop-Regal. Mit der Übergabe ist Fredi Strasser derzeit noch beschäftigt. Alles Weitere wird sich zeigen.
Gaby Zimmermann, 28.9.21
Nähere Infos: www.stammerberg.ch
Persönliches Schlusswort
Jedes Produkt hat seine Geschichte, die man ihm meist nicht ansieht, zum Beispiel, ob es Lebensgrundlagen vernichtet oder gefördert hat. Als Konsumentin und Geschöpf Gottes bin ich dankbar für Menschen wie Familie Strasser, dankbar für den feinen Wein und die Sorge um den blauen Planeten. Wenn der Wein für Christen ein Sakrament des Lebens ist, so wünsche ich mir, dass er das auch deshalb für die Umgebung sei, wo er wuchs. In der Liturgie heisst es, der Wein sei Frucht der Erde und menschlicher Arbeit. Möge Arbeit so sein, dass die Früchte der Erde geniessbar sind, werden und bleiben. (GZ)

Fredy Strasser

Tinkerpony

Tinkerpony

Fredi Strasser

Lebensvielfalt fördern










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