Alltags-Engel
In die Zeit der weichen Mängel,
in das menschliche Gequengel,
in hierarchisches Gedrängel
wünschen wir uns gerne Engel.
Engel, welche Brücken schlügen
und uns aus dem Sumpfe zögen.
Die uns über Steine trügen
und stets schützend uns umflögen…
Nur: die Engel, dergestalt,
sind aus Kirchengips – und kalt!
Doch die andern – Engel eben! –
sind die Nächsten, die hier leben.
Passend in die Sommertage
wünsche ich ein Flügelpaar,
welches mich durch Zeiten trage –
…und es mache mich zur Schar
unsrer Engel übers Jahr!
CHRISTOPH SUTTER
Höhenflug
Lange träumten sie vom Fliegen,
endlich die Schwerkraft besiegen
wie grösste Vögel
und schönste Engel
hoch in den Himmel hinein
bis zum Mond sogar
und den Sternenschein.
Der Traum wurde wahr,
und auch gleich zum Problem.
Fliegen ist zwar angenehm,
aber anders als bei Vögeln und Engeln
behaftet mit einigen Mängeln.
Als Maria in den Himmel fuhr,
war das unbedenklich für die Natur,
und garantiert frei
von jeglichem CO2.
Weiss der Himmel, was das soll,
denn dieser ist jetzt ziemlich voll.
Vielleicht fragt sich der liebe Gott,
wohin nur mit dem Weltraumschrott?
Denn ob sie gehen, fahren oder fliegen,
nach oben, unten, rechts und links
lassen sie jede Menge liegen,
sogar im Weltall neuerdings.
Vielleicht sprach’s ein Engel
oder Sommervogel:
Was das wohl im Himmel bringt,
näher ist man ihm so nicht unbedingt.
Und wer die Fliegerei etwas zügelt
fühlt sich womöglich mehr beflügelt…
GABY ZIMMERMANN
(6.8.2019)

Bild: Shutterstock.com
Kommentare