Geschichten über Thurgauer Kirchenglocken

Der Glockenexperte Hans Jürg Gnehm ist seit seiner Kindheit fasziniert von den grossen Instrumenten im Kirchturm. Nun hat er ein Buch über die Glocken im Kanton Thurgau verfasst.

688 Kirchenglocken zählt der Kanton Thurgau. In den 1990er-Jahren wurde der ausgebildete Glockenexperte Hans Jürg Gnehm beauftragt, die Glocken zu inventarisieren. Im Auftrag der Denkmalpflege und der evangelischen und katholischen Landeskirche befasste er sich während mehrerer Jahre mit den Thurgauer Kirchenglocken. Dadurch entstand die Idee, ein Buch über die «Glockengeschichten aus dem Thurgau» zu verfassen.

Es geht um die Menschen
«Ich habe festgestellt, dass in Gesprächen rund um Glocken erstaunlich oft eindrückliche und interessante Geschichten und Erinnerungen einfliessen», erzählt Hans Jürg Gnehm. Für den pensionierten Diakon sei dies Grund genug gewesen, ein Buch über solche Erfahrungen und Geschichten zu schreiben. Damit soll sich das Buch bewusst von den Fachbüchern über Glocken abgrenzen. Denn in dem Buch stehen nicht primär die Glocken, sondern die Personen im Vordergrund. Das Werk handelt von Menschen, welche eine spezielle persönliche Beziehung zu einer Kirchenglocke oder deren Geläut haben. Zudem geht es häufig um die historischen Situationen und Geschehnisse, in welche die Glockengeschichten eingebettet sind. «Weitere Abschnitte im Buch widmen sich der Thurgauer Glockenlandschaft und deren Eigenheiten», erklärt der Glockenexperte.

Mit Glocken innehalten
Die Leidenschaft kommt bei Hans Jürg Gnehm nicht von ungefähr. «Seit meiner Kindheit fühle ich mich mit allem, was mit Kirchenglocken in Verbindung steht, sehr verbunden», sagt er. Sein Grossvater war nämlich bereits als Sigrist für die Pflege von Kirchen und den dazugehörigen Räumlichkeiten verantwortlich. Besonders fasziniert ist Gnehm von den vielen Themenbereichen, mit denen Kirchenglocken in Verbindung stehen: ganz egal, ob Musik, Kunst- und Kulturgeschichte, Religion oder Technik und Handwerk. Die Klänge einer Glocke sind für ihn wie Marksteine im Tagesverlauf: «Sie laden dazu ein, einen Moment innezuhalten, um sich von der Hektik des Alltags zu lösen.» Vor allem freut sich Hans Jürg Gnehm, wenn er ein Glockengeläut zum ersten Mal wahrnimmt. Er ist dann immer von der charakteristischen Klangfarbe einer Glocke überrascht, denn: «Jede Glocke hat ihr eigenes Timbre.»

Details entdecken
In dem Buch «Glockengeschichten aus dem Thurgau» werden die Geschichten und Personen durch zahlreiche Bilder ausgeschmückt. Neben Fotografien der Menschen sind vor allem Thurgauer Kirchen sowie Inschriften und Verzierungen auf den Glocken enthalten. «Details, die beim Besuch eines Glockenturms kaum wahrgenommen werden, rücken in den Fokus», beschreibt Hans Jürg Gnehm. Das Buchprojekt wird von beiden Landeskirchen unterstützt und am 25. Oktober in der Kirche Wigoltingen vorgestellt. Bereichert wird die Vernissage durch eine Ansprache der Vizepräsidentin der Stadt Frauenfeld, Barbara Dätwyler Weber. Das Thurgauer Handglockenensemble wird den Abend unter der Leitung von Matthias Blumer musikalisch begleiten.

Manuel Ditthardt, 2.10.24


Vernissage zum Buch «Glockengeschichten aus dem Thurgau»:
Freitag, 25. Oktober, 19.30 Uhr, Kirche Wigoltingen

Hans Jürg Gnehm beim Begutachten einer Glocke
Quelle: zVg
Begeisterter Experte: Hans Jürg Gnehm beim Begutachten einer Glocke

 

Glocke aus der Kapelle Tuttwil
Quelle: zVg
Wird im Glockenbuch beschrieben: die über 600 Jahre alte Glocke aus der Kapelle Tuttwil

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