Passionierte Seelsorgerin geht in Ruhestand
13 Jahre lang leitete Daniela Albus (65) die Pfarrei Bichelsee, fast zehn Jahre den Pastoralraum Tannzapfenland. Nahe bei den Menschen zu sein, war ihr dabei ein grosses Anliegen. Nun geht sie in Pension. Am 21. August wird sie in einem Gottesdienst verabschiedet.
Eigentlich hatte sich Daniela Albus auf eine Stelle in der Klinikseelsorge beworben. Der Zufall wollte es, dass sie in Bichelsee landete. «Ich hatte Lust auf etwas Neues», sagt die Theologin, die zuvor 21 Jahre lang als pastorale Mitarbeiterin im Hegau (D) tätig war. Am neuen Ort erwartete sie mit Pfarrer Walter Rieser und Pater Gregor Brazerol ein Team, in dem sie sich gleich wohlfühlte. Gemeinsam wurde die Bildung des ersten Pastoralraums im Thurgau vorbereitet, der im Dezember 2012 errichtet wurde. Daniela Albus stellte sich der Verantwortung und übernahm dessen Leitung. Doch ihre Hauptaufgabe sah sie in der Seelsorge: «Ich wollte den Menschen in allen Lebenssituationen nahe sein.» Sie suchte den Kontakt zu jungen Eltern, Kindern, Jugendlichen, Kranken und betagten Menschen. Ihre psychotherapeutische Ausbildung half ihr, auch Suchenden in Krisensituationen eine Stütze zu sein. «Seelsorgliche Gespräche waren ein Schwerpunkt meiner Arbeit», so Daniela Albus. «Ich könnte Lebensgeschichten schreiben.»
Bei der Gestaltung des Gemeindelebens - wie in der Katechese oder der Vorbereitung von Familiengottesdiensten - setzte sie auf Teams: «Ich wollte keine Einzelkämpferin sein. Wenn unterschiedliche Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, kann etwas Schönes entstehen.» Aber auch die sonntäglichen Gottesdienste verstand sie als ein lebendiges Zusammenspiel von gläubigen Menschen in den Kirchenbänken und im Altarraum.
Neues versuchen
Neue Projekte zu inszenieren oder zu begleiten, um auch andere Zielgruppen als die klassischen Gottesdienstbesucher*innen anzusprechen, war Daniela Albus ein Anliegen. So entstand z. B. in Zusammenarbeit mit dem Bistro-Team in Dussnang das Café für Leib und Seele, das auch ausserhalb von kirchlichen Räumen Inspirationen für gelingendes Leben geben sollte. Leider kam nach vielversprechenden Anfängen die Coronapandemie dazwischen. Daniela Albus lässt sich gern auf Neues ein: «Wenn man spirituell verwurzelt ist, kann man sich auch verändern.» Umso weniger versteht sie die anhaltende Starre in der Gesamtkirche - beginnend bei der antiquierten, liturgischen Sprache bis hin zum Ausschluss der Frauen vom Weiheamt und damit von sakramentalen Handlungen. Sie befürchtet, dass noch mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren, wenn sich in diesen Punkten nichts bewegt. «Die Menschen brauchen nicht immer neue Strukturen, sondern Nahrung für ihre Seele», so die Theologin.
Wieder freier sein
Der bevorstehenden Pensionierung sieht Daniela Albus freudig entgegen. «Ich geniesse es, freier zu sein, wieder mehr Zeit für Freundschaften, fürs Reisen, den Garten zu haben oder etwas anderes machen zu können.» Auch wenn sie wieder in den Hegau zurückzieht, möchte sie den Kontakt ins Tannzapfenland nicht abreissen lassen. «Ich habe hier so viele liebenswürdige Menschen kennengelernt, denen ich verbunden bin und bleiben möchte.»
Detlef Kissner, forumKirche, 26.07.2022
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