Fachtagung «Klosterzwänge» an der Universität Luzern

Wie breit die Zukunft der Klöster interessiert, zeigte sich an der dritten Fachtagung der Theologischen Fakultät der Universität Luzern und des katholischen Hilfswerks Inländische Mission. Rund 70 Personen – etwa die Hälfte davon Angehörige von Orden und Kongregationen – trafen sich zu einer Standortbestimmung. Die zurückgehenden Mitgliederzahlen in den Klöstern werden als Herausforderung, ebenso aber als Chance gesehen, sich in der Gesell­schaft neu zu positionieren. Dank ihrer hohen Kompetenz in Spiritualität und seelsorgerlicher Begleitung können Orden und Gemeinschaften in einer zunehmend säkulareren Welt gefragte spirituelle Oasen schaffen, so das Fazit.

An der Tagung unter der Leitung von Christian Preidel, Professor für Pastoral­theologie an der Universität Luzern, und Urban Fink, Geschäfts­führer der Inländischen Mission, wurde unter dem Titel « Kloster­zwänge » nach der Beziehung zwischen Raum und Mensch gefragt. Dabei wurde in drei Kurzreferaten der Fokus auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von Klöstern gelegt. Die Impulse und Beispiele der Referenten wurden in kritischen Reflexionsrunden in den Schweizer Kontext gestellt. Dabei wurde immer wieder betont, dass – gelungene – Trans­formationen von Klöstern nicht 1 zu 1 auf eine andere Gemeinschaft, an einen anderen Ort übertragen werden können. Zu unterschiedlich sind dafür die Orden in ihrer spirituellen Ausrichtung wie in ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Und ebenso verschieden sind auch die konkreten Gebäude, die es neu oder anders zu nutzen gilt.

Einen Haltungswechsel vornehmen
Christian Bauer, Professor für Pastoral­theologie an der Universität Münster, ermutigte beispiels­weise dazu, sich auf einen Haltungs­wechsel einzulassen und « ins Feld » zu gehen, zu schauen, wie Gebäude und Areale andernorts neu genutzt werden. Umgekehrt lud er dazu ein, das eigene Kloster von aussen anzuschauen, zu beurteilen oder umgestalten zu lassen. Bauer fasste zusammen : « Statt ihr Angebot aufgrund der finanziellen und personellen Situation anzupassen, könnten sich Kirchen und Klöster fragen, welche Präsenz sie künftig an einem Ort zeigen wollen und wie diese Form mit Hilfe Dritter entwickelt werden kann.»

Aus dem Publikum wurden solche Impulse unter­schiedlich aufgenommen: von der Anerkennung des Mutes, etwas ganz Neues zu wagen, bis zur kritischen Bemerkung, dass solche Pilotprojekte erst nach einer längeren Zeitdauer bewertet werden können. Ebenso wurde vor einer Gefahr der Beliebigkeit in der Um- oder multifunktionalen Nutzung, insbesondere von Sakralräumen, gewarnt. Grundsätzlich aber war man offen für kreative Ansätze und froh über den Austausch und gemachte Erfahrungen, um so den Blick für eigene Ansätze weiten zu können. Ein Modell stellten die Theologin Martina Resch und die Autorin Cornelia Hülmbauer mit dem Kloster als Schreibresidenz vor.

Rückgang bedeutet nicht Untergang
Immer wieder endete die Diskussion beim « Preisschild » . Kann, aber auch will es sich ein Orden, eine Gemeinschaft leisten, grosse Geldsummen in eine bauliche Erneuerung zu stecken, von der die heutigen Mitglieder kaum mehr etwas haben werden ? Der Architekt Walter Klasz präsentierte hierfür einige gelungene Projekte von neu genutzten Sakralräumen. Vor allem Ordensangehörige wiesen darauf hin, dass eine solche Entscheidung nicht allein aus der Sicht einer überalterten – und oft überforderten – Gemeinschaft betrachtet werden sollte, sondern auch auf den Beistand des Heiligen Geistes vertraut werden dürfe. Es gelte, die Frage zu stellen, « Was will Gott mit mir, mit unserem Kloster ? », wie es eine Ordensangehörige formulierte.

Ebenso wurde vehement einer Kloster­untergangsstimmung widersprochen. Im Verlauf der Kirchengeschichte hätten Orden und Gemeinschaften immer wieder Höhen und Tiefen erlebt. Zudem lebe die katholische Kirche, je nach geografischem und kulturellem Umfeld, in einer grossen Ungleichzeitigkeit. Während sich im Westen die Säkularisierung ausbreite, würden im globalen Süden Orden und Kongregationen stark anwachsen. Doch auch die Klöster und Gemeinschaften hier in der Schweiz dürften sich trotz rückläufiger Mitglieder­zahlen als Träger bedeutender Traditionen und gesellschaftlicher Innovationen verstehen. Diese Werte würden auf alle Fälle weiterbestehen. Es sei nun aber auch an der Gesellschaft, darüber Auskunft zu geben, was ihr dieses Erbe wert sei.

PD / Red.


Aktuelle Neuerscheinung :
Urban Fink / Markus Ries : Neues Leben in alten Mauern. Schweizer Klöster und die Zeitenwende in der Kirche.
ISBN 978-3-9525697-04-1

www.im-mi.ch

Kongressteilnehmende diskutieren in Luzern die Zukunft der Klöster.
Quelle: zVg
Kongressteilnehmende diskutieren in Luzern die Zukunft der Klöster.

Kommentare

+

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.